Sinnlichkeit des Waldes

Damals, als ich klein war, habe ich nicht versucht, trocken zu bleiben - und habe die Berührung des Regens gleich gesucht. Wunderbar unschuldig-kindliche Unbefangenheit. 

Heute muss ich erst kräftig durchweicht sein, bis ich aufgebe, ohnehin nichts mehr zu retten ist und ich dann - endlich mal wieder! - mitten durch die tiefsten Pfützen radle und das Spritzen genieße.

Wo ist das Tor, zurück nach vorne, ins Paradies, JETZT? 

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Heute war ich wieder im Wald. Die Bäume, Erde. Aus ihr komme ich hervor. Erde. Heimat.

Ich renne, schüttle, töne, übergebe an meinen Körper, meine Stimme - und gucke mich dabei immer wieder doch mal um, in der Hoffnung, dass mich hier niemand so sieht. Emotionen tauchen auf, finden ihren Ton, gehen wieder - und irgendwann wird etwas unmittelbar.

Plötzlich will ich nicht mehr aufpassen, ob ich schmutzig werde, sondern mich direkt ins Herbstlaub auf die Erde setzen. Dann hinlegen. Wenn jetzt jemand kommt, denken sie, ich spinne. Oder brauche Hilfe. Dabei bin ich mehr zuhause als sonst.

Ideen von Sinnlichkeit - blond? Vollbusig? Sexy? Ich liege hier im Dreck. Vollbekleidet. Braun-gelbe Blätter im Gesicht. Herbstduft. Und plötzlich ist sie da, erdig, ursprünglich - und wunderbar: Zum Anfassen nah. Direkt. Unmittelbar. Die Struktur der Rinde am Stamm unter meinen Händen. Die Baumkrone über mir.

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Und dann die Nacktschnecke.

An meinem Baum, ich sehe sie auf Augenhöhe, von meinem Platz auf dem Boden - und streichle sie. Saftig. Rutschig. Weich. Wie Yoni, von innen - nur ganz rundherum.  

Wunderbare kleine Schnecke. Begegnung. Unschuldig und direkt.

Ich gehe weiter - lebendig verbunden.